Kategorie: Emotionen

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    Die Psychologie der Scham

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    Die Biologie der Unzufriedenheit

    Die stoische Lehre: Aufmerksamkeit als Wahl

    Das Problem des „Immer Mehr“

    Praktische Übungen für den Alltag

    Fazit: Dankbarkeit als Beziehungsarbeit

    🔔 PSYCHOLOGISCHE RESILIENZ & SELBSTREGULATION

    Diese praxisorientierte Ausbildung vermittelt fundierte, anwendungsbezogene Kenntnisse aus drei zukunftsweisenden Ansätzen: der Salutogenen Kommunikation, der Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT) sowie der Polyvagal-Theorie. Ziel der
    Weiterbildung ist es, individuelle und systemische Resilienzprozesse professionell zu fördern. In Kombination entfalten diese drei Methoden eine außergewöhnliche Wirkkraft:

    • ACT befähigt zu werteorientiertem Handeln trotz innerer Barrieren.
    • Die Polyvagal-Theorie erklärt, wie Regulation und Sicherheit neurobiologisch entstehen und wie man sie gezielt stärkt.
    • Die Salutogenese liefert das übergeordnete Modell der gesunden Entwicklung und ressourcenfokussierten Kommunikation.

    Gruppengröße: 10 Personen – first come, first serve

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  • Beziehungen beginnen mit der Selbstbeziehung

    Beziehungen beginnen mit der Selbstbeziehung

    Die innere Beziehung als Maßstab im Außen

    Das Unterbewusstsein als prägender Einfluss

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  • Sympathie oder Empathie?

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    Emotionale Granularität

  • Wie viele Emotionen gibt es?

    Wie viele Emotionen gibt es?

    (© Melanie Vogel) In der Psychologie ging man früher davon aus, dass die meisten menschlichen Emotionen in die universellen Kategorien Glück, Traurigkeit, Wut, Überraschung, Angst und Ekel fallen. Eine neue Studie des Greater Good Science Center legt jedoch nahe, dass es mindestens 27 verschiedene Kategorien von Emotionen gibt, die eng miteinander verbunden sind. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das Verständnis der Komplexität menschlicher emotionaler Erfahrungen und die Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens.

    Mithilfe neuartiger statistischer Modelle analysierte der Studienleiter Dacher Keltner mit seinem Team von der UC Berkeley die Reaktionen von mehr als 800 Männern und Frauen auf über 2.000 emotionale Videoclips und erstellten eine mehrdimensionale, interaktive Karte, um zu zeigen, wie Gefühle wie Neid, Freude, Stolz und Traurigkeit zusammenhängen zueinander.

    27 verschiedene Dimensionen waren notwendig, um zu erklären, wie Hunderte von Menschen ihre Gefühle als Reaktion auf jedes Video zuverlässig angaben. Im Gegensatz zu der Vorstellung, dass jeder Gefühlszustand eine Insel ist, ergab die Studie außerdem, dass es sanfte Gefühlsabstufungen gibt, etwa zwischen Ehrfurcht und Friedfertigkeit, Entsetzen und Traurigkeit sowie Belustigung und Bewunderung.

    Bei der Arbeit mit dem Emotion-Code® und beim Auflösen emotionaler Belastungen werden insgesamt 60 Emotionen mittels Muskeltest ausgetestet und anschließend aufgelöst. Diese Fülle an Empfindungen zeigt die Vielschichtigkeit, zu der jeder Mensch emotional in der Lage ist. Sehr oft können wir die Nuancen und vor allem die schnelle Abfolge der emotionalen Achterbahnfahrt in einer belastenden Situation nicht rational erfassen. Es zeigt sich in der Situation meistens eine dominante Emotion, die wir kennen und eindeutig zuordnen können – z.B. Angst oder Wut.

    Beim retrospektiven – rückwirkenden – Auflösen der Situation wird dann deutlich, wie vielschichtig der emotionale Super-GAU gewesen ist. Das Hilft auch im Nachgang noch, die gesamte Situation besser einzuordnen und zu verstehen, was sich „hinter den Kulissen“, also in unserem Unterbewusstsein, alles abgespielt hat.

    Ich selbst habe das kürzlich bei mir selbst erfahren. Eine Arbeitssituation hat mich massig getriggert. Die für mich sehr wahrnehmbare Emotion war Ärger. Und da ich mich dieser Ärger nicht losließ, wendete ich den Emotion-Code® bei mir selbst an. Tatsächlich war es nicht Ärger als primäre Emotion, die ich auflöste, sondern es begann mit Unsicherheit, Verletzlichkeit, Verlorenheit – und erst ganz am Schluss löste ich dann die Verärgerung auf. Für mich verblüffend zu sehen war: Innerhalb einer einzigen Situation, die sich in maximal 15 Minuten abspielte, hatte ich rund 15 Emotionen eingeschlossen.

    Umso wichtiger ist, dass wir uns regelmäßig selbst einem Emotions-TÜV unterziehen, damit sich diese eingeschlossenen Emotionen nicht organisch festsetzen.

  • Stress

    Stress

    (© Melanie Vogel) Jede Sekunde strömen rund 20.000.000 (Millionen) Bits an Informationen auf uns ein. Täglich erleben wir ca. 100.000 Gedanken und Gefühle – mehr als 25 % davon sind negativ und verursachen Stress. Unter Stress laufen im Körper mehr als 1.400 physikalische und chemische Reaktionen ab. Mehrere Stress-Reaktionen in Folge und unser Körper ist nach nur einem Tag (!) im Ausnahmezustand. Mehrere Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre zehren die Lebenskraft auf. Der Mensch wird infektanfälliger, Leistungskraft und Motivation lassen nach. Das „Fell“ wird dünner, das bedeutet, die Nachsicht für die Marotten anderer Menschen schwindet, Konflikte und Mobbing nehmen zu. Der Empörungsgrad wächst unaufhörlich, denn irgendwo und an irgendwem müssen sich die angestauten Stress-Energien schließlich abreagieren.

    Stress zerstört unsere Kohärenz und Inkohärenz erzeugt weiteren Stress. Irgendwann wird Stress zur Grundeinstellung und somit chronisch. Das nennt man eine maladaptive Stressreaktion. Das bedeutet, dass der einzelne Mensch nicht in der Lage ist, sich im gegenwärtigen Moment, hier und jetzt, anzupassen. Auf die emotionale Reaktion folgt – ungefiltert und unreflektiert – eine körperliche Reaktion, denn jede Form von negativem Stress interpretiert unser Körper als eine Notsituation.

    Alle Organismen in der Natur – und dazu gehören wir Menschen auch (immer noch…) – sind für kurzfristigen Stress ausgelegt. Eine Gazelle wird von einem Löwen gejagt. 15 Minuten später steht sie wieder auf der Weide und alles ist im Gleichgewicht.

    Wir Menschen „ticken“ hier ein wenig anders. Natürlich geraten wir auch in Stress, wenn ein Auto in voller Geschwindigkeit auf uns zurast. Springen wir echtzeitig zur Seite, regen wir uns danach noch 15 Minuten auf, aber vermutlich obsiegt die Erleichterung des Überlebens und gazellenartig gehen wir mehr oder weniger entspannt wieder unserem Tagwerk nach.

    Allerdings verfügen wir auch über die unglaubliche Fähigkeit, allein nur durch unsere Gedanken schon Stress auszulösen. Das imaginäre Auto ist für unser Hirn und die dann ablaufenden chemischen und biologischen Reaktionen so real wie das wirkliche Auto. Oder wie es Mark Twain einmal formuliert haben soll:

    Ich habe so viel Schreckliches erlebt, aber nichts davon ist wirklich passiert.

    Mark Twain

    Wir können an ein vergangenes, schlimmes Erlebnis denken, das sich in unsere grauen Zellen eintätowiert hat – und wie durch Zauberei wird dieses Erlebnis wieder zum Leben erweckt. Und in diesem Moment ist es real. Weil unser Gehirn in Bildern arbeitet, produziert es bei bildhaften Erinnerungen die gleichen Reaktionen wie bei tatsächlichen Erlebnissen. Selbiges passiert übrigens auch vor dem Computer-Bildschirm. Die E-Mail einer Kollegin oder eines Kollegen verursacht – obwohl sie nur digital vorhanden ist und meistens auch ohne Bild des jeweiligen Menschen übertragen wird – die gleichen Reaktionen, wie wenn uns der Mensch am Schreibtisch gegenüber sitzen würde.

    Auf Grundlage der Daten, die unser Gehirn empfängt, formt es seine Wahrheit und entsprechend fallen die Reaktionen aus. Ein Gedanke schießt uns in den Kopf? Kein Problem – unser Hirn reagiert! Und informiert andere Hirnareale, unser Hormon- und Nervensystem und alle sonstigen Anlaufpunkte im Körper, die im Zweifelsfall auf die imaginäre Notfallsituation reagieren müssen. Und wie schon am Anfang des Artikels erwähnt: rund 1.400 physikalische und chemische Reaktionen sind es – bei nur einem Gedanken, der Stress verursacht! Als Folge erhöht sich unsere Herzfrequenz, unser Immunsystem wird unterdrückt und wir werden ängstlicher, weil wir in diesem Moment nicht unser volles Potenzial ausschöpfen können, da unser gesamtes System mit der Bearbeitung von Stress beschäftigt ist.

    Wir können also festhalten: Der Kern jedes Stresses sind mit Emotionen verknüpfte Erinnerungen und/oder traumatische Wahrnehmungen, die entweder in unserem Unterbewusstsein vergraben sind und durch flüchtige Gedanken hervorgeholt oder durch eine aktive Situation erneut getriggert werden.

    Daher ist es so wichtig, dass wir unseren Stress kontrollieren – und nicht vom Stress kontrolliert werden.

  • Die Liebe

    Die Liebe

    (© Melanie Vogel) So wie wir „lernen“, menschlich zu sein, lernen wir auch zu lieben. Forschungen von Psychologen, Psychiatern, Soziologen, Anthropologen und Pädagogen weisen darauf hin, dass Liebe eine „gelernte Antwort, eine gelernte Emotion“ und damit ähnlich zu behandeln sei wie eine Sprache, die man lernt. Nicht ohne Grund spricht man daher wohl auch von der „Sprache der Liebe“.

    Eine Fremdsprache lernt man, indem man Grammatik und Vokabeln paukt und Satzkonstruktionen verinnerlicht. Wirklich sprechen lernt man die Sprache aber erst in dem jeweiligen Land. Wenn man nämlich versteht, warum manche Ausdrücke verwendet werden, wenn man die Gestik und Mimik in die Deutungshoheit der Sprache einbezieht und so dem eigenen Sprechen Lebendigkeit und Authentizität verleiht. Denn genau jetzt verschwimmen Sprache und Kultur und bilden einen gemeinsamen Kontext. Das also, was wir in unserer Muttersprache selbstverständlich von Kindheit an lernen. In beiden Fällen – der Liebe und der Sprache – spricht man von „Literacy“, einem (sprachlichen) Kontextverständnis.

    Dieses sprachliche Kontextverständnis geht weit über das Vokabellernen und Grammatik verstehen hinaus. Es spiegelt vielmehr eine „kontextabhängige Ansammlung sozialer Praktiken“. In dieser Kontextabhängigkeit entwickeln und verändern sich die Lese-, Schreib- und Sprechpraktiken aller Menschen immer dann, wenn sich auch ihre biografischen, kulturellen, politischen und historischen Kontexte verändern.

    Das ist vergleichbar mit der Liebe, eine der grundlegendsten menschlichen Emotionen, ohne die kein einziges Menschen-Baby überleben kann. Aber auch sie verändert sich im Kontext – und mit dem Alter. Unsere Liebesfähigkeit verändert sich Zeit unseres Lebens. Kulturell verhalten wir uns jedoch so, als ob Liebe nur darauf warten würde, durch romantische Gesten und den „richten“ Mann oder die „richtige“ Frau zum Leben erweckt zu werden. Ich persönlich halte das für eine der schlimmsten gesellschaftlichen Illusionen überhaupt, weil sie auf jeden Menschen, der nicht “ad hoc” und “auf Abruf” Liebe empfinden kann, einen immensen emotionalen Versagensdruck ausübt.

    Dabei hat Liebe, als Emotion, ähnlich viele Facetten wie eine Sprache. Sie ist von Kontext zu Kontext anders. Es gibt die Geschwisterliebe, die Liebe zu den eigenen Kindern, die Selbstliebe, die Nächstenliebe, Menschenliebe, Tierliebe, die Liebe zur Natur, zum Beruf, zu den Kolleginnen und Kollegen. Schließlich lieben wir auch bedingungslos, wir lieben körperlich (Eros) und jeder Mensch durchlebt irgendwann einmal die erste Verliebtheit. In die Gefühlswelt der Liebe gehört außerdem die tiefe Verbundenheit zu anderen Menschen, tägliche liebevolle Zuwendungen und das Gefühl der liebevollen Selbstachtung. Über dieses Repertoire an Liebes-Emotionen verfügen wir nicht von Geburt an, sondern es entsteht durch Erkenntnis, Lernen, Leben, Entwicklung. Die Fähigkeit, dieses Repertoire irgendwann im Leben abrufen zu können, ist im Menschen angelegt. Aber ob es uns auch gelingt, so vielseitig zu lieben, steht auf einem ganz anderen Blatt und ist KEINE Selbstverständlichkeit.

    Und schließlich gibt es auch noch die toxischen Formen der Liebe, nämlich die narzisstische Liebe und die Hassliebe. Wir erfahren Liebesentzug und wir können von Liebe erdrückt werden. Liebe enttäuscht, verrät und verletzt. Liebe ist vermutlich die vielseitigste Emotion, die wir empfinden können – und sie ist die am meisten missverstandene, weil sie Dank Schmonzetten, Liebesdramen und Liebesromanen zutiefst romantisiert wurde. Liebe kann, wenn wir uns unserer eigenen Liebesfähigkeit nicht bewusst sind, einen egoistischen und sehr manipulierbaren Anteil haben, der andere Menschen in Abhängigkeiten und Unglück stürzen und sie dazu veranlassen kann, sich unseren Liebeswünschen und -bedürfnissen anzupassen. In diesem Fall sprechen wir nicht über eine gleichwertige bedingungslose Liebe, sondern hier wird bedingt geliebt – und auch das hat toxische Elemente.

    Wenn wir also Liebe in ihrer ganzen Schönheit und Tragik „als emotionale Sprache“ sprechen und sie zutiefst verinnerlichen und verstehen wollen, brauchen wir gewissermaßen ein „Kontextverständnis der Liebe“. Und so wie mit der Liebe, so verhält es sich wie mit allen anderen Emotionen. Sie sind vielschichtig, kontextabhängig, werden kulturell gleich empfunden, aber unterschiedlich gewertet und ausgelebt.

  • Emotional Literacy

    Emotional Literacy

    (© Melanie Vogel) „Emotional Literacy“ – ein emotionales Kontextverständnis – ist elementar wichtig, denn der Erwerb des emotionalen Kontextverständnisses ist der Schlüssel zur Freisetzung des inneren Bewusstseins und des ungenutzten Potenzials, das in jedem Menschen bis ins hohe Alter schlummert.

    Was ist Emotional Literacy?

    Um die Frage zu beantworten ist es zunächst wichtig, den Begriff der „Emotion“ zu definieren. Emotion kommt aus dem lateinischen „emovere“ und bedeutet „herausbewegen. Der englische Begriff „emotion“ steht für „energy in motion“. Emotionen sind also nichts anderes als Energie, die sich aus uns herausbewegt bzw. aus uns herausbewegen will. Energie selbst besteht immer aus Ursache und Wirkung. Daraus ergibt sich also gewissermaßen folgende „Emotions-Formel“:

    Emotion = Energie (Ursache + Wirkung), die sich aus uns herausbewegt

    Bei positiven Emotionen haben wir meistens keine Probleme, sie zu zeigen und sie rauszulassen (= auszuleben). Tief empfundene Freude, Liebe, Glück oder Dankbarkeit „sprudeln“ aus uns heraus – oder man sieht sie uns einfach an der Nasenspitze an. Anders sieht es aus bei den gesellschaftlich wenig(er) erwünschten Emotionen wie Ärger, Trauer, Wut, Zorn, Ohnmacht oder Hass. Es schickt sich nicht, diese Emotionen offen zu zeigen – und in vielen Familien und Organisationen sind Emotionen generell ein echtes Tabu. „Starke Männer weinen nicht“ oder „Mädchen sind lieb, brav und angepasst“ sind klassische stereotype Verhaltensweisen, die ein sehr deutliches Verbot vermeintlich unpassender Emotionen aussprechen.

    Doch erinnern wir uns: Emotionen sind Energien, die sich aus uns herausbewegen wollen (und müssen!). Vor allem die unerwünschten Energien sind extrem machtvoll und hochenergetisch. Können oder dürfen wir sie nicht äußern und ausleben, gären sie in uns – und unterdrückte, eingeschlossene Emotionen machen uns auf Dauer krank! Gerade in Krisenzeiten schwächen unterdrückte Emotionen unsere Resilienz in ganz besonderem Maße.

    Beim Erwerb des emotionalen Kontextverständnisses geht es darum, Emotionen wieder wahrzunehmen, sie auszuleben und insgesamt bewusster zu denken, zu fühlen und zu handeln, anstatt nur auf das Leben zu reagieren.

    • Aktion statt Reaktion
    • Bewusstheit statt Unbewusstheit
    • Fühlen statt (nur) denken

    Wir alle erleben ständig Emotionen, aber nur selten verstehen wir genau, was sie sind und was sie uns sagen. Unsere Emotionen sind eine Quelle endloser Informationen über uns selbst, die Menschen um uns herum und die Umgebung, in der wir uns befinden. Wenn wir ein emotionales Kontextverständnis besitzen, haben wir nicht nur allgemeine Kenntnisse über Emotionen, sondern wir sind auch in der Lage, die „emotionale Sprache“ fließend zu sprechen. Das bedeutet:

    • Wir fühlen nicht nur, sondern können unsere Gefühle nuanciert betrachten. Wir erkennen beispielsweise den Unterschied zwischen konstruktiver und destruktiver Wut. Und wir wissen: Konstruktive Wut ist eine wichtige Bewegungsenergie, die uns in die Lage versetzt, kristallklare Botschaften zu formulieren, während die destruktive Wut nur Kollateralschäden verursacht.
    • Wir fühlen nicht nur, sondern können diesen Gefühlen einen Namen geben. Wut fühlen wir als Wut und wir können aussprechen: „Ich bin gerade furchtbar wütend“.
    • Wir fühlen nicht nur, sondern bleiben mit diesen Gefühlen zunächst bei uns. Die „emotionale Schuld“ wird nicht nach außen verlagert, sondern wir erkennen uns als Teil dieser Emotion und übernehmen Verantwortung für uns und unsere Gefühle.

    Die Entwicklung eines emotionalen Kontextverständnisses ermöglicht uns:

    • unsere Problemlösungsfähigkeiten zu verbessern.
    • sachkundigere, emotional intelligentere Entscheidungen zu treffen.
    • eine bessere Führungskraft und ein besserer Teamplayer zu werden.
    • wichtige Informationen über unser Denken und Verhalten zu bekommen.
    • unsere Beziehungen zu uns selbst und anderen zu stärken.

    Emotional Literacy macht uns zu „ganzen“ Menschen. Sie hilft uns, unser emotionales Potenzial zu leben, zu erleben und an ihm zu wachsen und zu transformieren – vom Kind, zum Jugendlichen, zum Erwachsenen, zum weisen Menschen. In jeder Lebensphase an jedem Tag unseres Lebens reifen wir durch ein bewusstes Kontextverständnis unserer Emotionen. Indem wir uns ihnen nicht hingeben, uns nicht in ihnen verlieren oder sie gar unterdrücken, sondern als sie als eine emotionale Sprache betrachten, deren Vokabular sich verändert, je besser wir die Sprache sprechen und je intensiver wir in die vielschichtigen Facetten ihrer Kultur und der jeweiligen Kontexte eintauchen.

  • Warum denken und fühlen wir?

    Warum denken und fühlen wir?

    (© Melanie Vogel) Unsere Gedanken sind immer unfertig. Emotionen jedoch sind – wenn wir gelernt haben, sie wahrzunehmen und zu erkennen – in der Essenz immer gleich. Lediglich der Kontext, in dem wir Emotionen empfinden, ändert sich, weswegen ich auch von „Emotional Literacy“ – einem emotionalen Kontextverständnis spreche. Was bedeutet das?

    Nehmen wir das Beispiel Trauer:  Trauer spüren wir als Schwere im Herzen, mache fühlen Trauer auch im Bauch. Es ist wie ein schwarzer Mantel, in den wir eingefüllt werden, aus dem wir zunächst keinen Ausweg sehen. Meistens kommen uns, wenn wir es nicht verlernt haben, die Tränen, wenn wir traurig sind. In der Trauer haben wir Momente tiefster emotionaler Empfänglichkeit und tiefster Verletzbarkeit. Manchmal sind es nur kurze, flüchtige Momente, manchmal dauert Trauer Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre an. Die Intensität verändert sich und die Situationen, die uns traurig machen, verändern sich auch. Aber wir erkennen Trauer immer als das, was sie ist: Trauer.

    Mit der Liebe verhält es sich ähnlich. Liebe spüren wir körperlich an den gleichen Stellen wie Trauer – im Herzen und ganz oft auch im Bauch, als kribbelndes Gefühl vollständigen Wohlbehagens. Je nach Situation und Person, die Liebe verursachen, erhält Liebe unterschiedliche Nuancen. Von Geschwisterliebe über Elternliebe, zu der Liebe für die eigenen Kinder, der Liebe zum Partner oder der Partnerin, freundschaftliche Liebe, Tier- oder Naturliebe – Liebe, ist Liebe, ist Liebe. Lediglich der Kontext, in dem wir Liebe empfinden, ist anders.

    Dieser fühlende Kern unseres Selbst gibt uns Sicherheit, denn unseren Emotionen können wir vertrauen. Sie sind unverkennbar da und wenn wir es gelernt haben, können wir die einzelnen Emotionen auch sicher deuten.

    Mit den Gedanken verhält es sich grundsätzlich anders. Gedanken sind flüchtig – sie sind frei und verändern sich ebenfalls von Kontext zu Kontext. Weil sie aber so flüchtig sind und wir sie ganz oft nicht „greifen“ können, sind sie viel instabiler als Emotionen und daher stürzen uns unsere eigenen Gedanken ziemlich oft in ein mentales Chaos. Allen Gedanken schwingen aber immer auch Emotionen mit – entweder positive, negative oder neutrale. Denn nur aus der Kombination von beiden entwickeln wir unser Weltbild.

    Wenn wir jetzt Gedanken und Emotionen verbinden und zu einem echten Dreamteam machen, können wir den Kontext unserer wahrnehmbaren Welt verändern. Wir bringen Ruhe in inneres und äußeres Chaos, wenn wir mit unseren Emotionen verbunden sind und sie in eine ausbalancierte Relation zu unseren Gedanken setzen.

  • The Art of Change

    The Art of Change

    Wandel geschieht immer dann, wenn alle bisherigen Möglichkeiten vollends ausgeschöpft und alle Ressourcen aufgebraucht sind.

    Wandel ist auf 2 Arten möglich:

    1. zyklisch, natürlich, undramatisch
    2. widerstrebend, leidvoll, dramatisch

    Das Drama im Wandlungsprozess entsteht, weil wir an Situationen und Gegebenheiten anhaften, nicht loslassen wollen oder zu bequem geworden sind, uns zu verändern. Darum neigen wir dazu, Wandel als leidvoll und dramatisch wahrzunehmen, denn wenn wir anhaften, drängt uns der Wandel aus unserer Komfortzone heraus. In diesen Momenten geschieht Wandel nicht freiwillig und daher widerstrebt es uns, uns in den Fluss des Lebens zu werfen und zu schwimmen.

    Diese Form des Wandels bezeichnen wir gemeinhin als Niederlage, Verlust oder Scheitern. Dabei ist dieser Wandel nichts von alledem. Ganz im Gegenteil. Weil wir die zyklische Erneuerung und den damit einhergehenden natürlichen Wandel versäumt haben und alle Ressourcen aufgebraucht haben, bekommen wir von innen oder außen ein deutliches Zeichen der Richtungsänderung. Da wir den natürlichen Wendepunkt versäumt oder ignoriert haben, ist das Zeichen der Richtungsänderung jetzt meistens an ein extremes Ereignis gebunden, das uns keine Illusionen und keine Ablenkungen mehr offeriert, sondern uns zu einem Nullpunkt treibt, der einen Neuanfang ermöglicht – oder erzwingt.

    Doch tatsächlich bräuchten wir den leidvollen und dramatischen Wandel nicht, wenn wir uns in einen völlig natürlichen und undramatischen Kreislauf der Veränderung begeben, wenn wir achtsam sind und bewusst darauf achten, wann sich eine Situation ihrem Ende nähert oder Ressourcen zur Neige gehen. Wenn wir verstehen, dass nichts ewig dauert, sondern alles Veränderungen unterworfen ist, dann können wir gegenwärtig genießen, was ist – und uns langsam anfangen zu lösen, wenn wir merken, die Gegenwärtigkeit verändert sich.

    Undramatischer Wandel ist jederzeit möglich. Dazu braucht es die Erkenntnis, dass Altes gehen muss, damit Neues kommen kann.

    Das nennt sich auch: LEBEN.

  • Glück

    Glück

    (© Melanie Vogel) Ich habe mich gefragt, wie berühmte Denker der Geschichte wohl aus heutiger Sicht Glück definieren würden – und hier ist meine (frei erfundene) Antwort darauf.

    Wie würde Buddha Glück definieren?

    Buddha könnte sagen: “Glück ist das bewusste Sein in einem fließenden Moment. Das Bewusstsein darüber, dass jeder Moment nur einen Atemzug andauert, intensiviert die Erfahrung des Lebens. Die meisten Menschen erkennen dies erst im Moment ihres letzten Atemzuges, in ihrer Stunde Null, in der sich Anfang und Ende verbinden. Doch warum bis zur Stunde Null warten? Glück können wir kreieren – in jeden Momenten des täglichen Lebens. Jeder Atemzug ist pures Glück.”

    Was wäre, wenn wir Leonardo da Vinci fragen?

    Leonardo da Vinci ist nicht als Philosoph, sondern als Universalgelehrter in die Geschichte eingegangen. Doch Philosophie ist die Lehre des Universellen und damit keiner Fachrichtung zugeordnet. Die Philosophie erlaubt uns, holistisch – ganzheitlich – auf die Welt zu schauen. Und vor dem Hintergrund war Leonardo da Vinci einer der größten Philosophen überhaupt. Was also könnte er zum Thema Glück sagen? “Glück entsteht im Moment höchter Kreation. In den Fließmomenten, wenn der eigene Geist Erkenntnisse gewinnt und etwas von Erinnerungswert schafft. Das kann ein Gemälde sein, genauso wie ein Aha-Moment auf der grünen Wiese. Kreation bedeutet, in diesem Moment einen Zustand herbeigeführt zu haben, der aus einem selbst heraus entstanden ist. Das ist pures Glück.”

    Was hätte Sokrates zum Glück zu sagen?

    Sokrates’ Ansichten zu Glück könnten so lauten: “Glück ist ein Moment tiefster Kohärenz zwischen Körper, Geist und Seele. Es ist ein Moment der Perfektion, in dem die Welt stillzustehen scheint. Es ist ein Moment tiefster Wonne, der uns unwiderruflich verändert. Wir würden uns wünschen, der Moment würde ewig dauern. Doch das Jetzt ist nicht ewig, sondern es ist ewig immer jetzt. Daher ist jeder Moment flüchtig – auch der des Glücks.”